Lesecafés

Veröffentlicht am 11. Juni 2009 von Redaktion in Kategorie: CoWorking Kultur, Gesellschaftliches, New Work, New Life, Meinung, Themenbeiträge | Trackback URL | Zur Diskussion

Ein Gastbeitrag von Nico Krause und Ottmar Neuburger (Kontakt über die Redaktion)

Lesecafés sind dort wo gelebt und gearbeitet wird. Lesecafébesucher nutzen die technischen Möglichkeiten, die heute zur Verfügung stehen. Sie erledigen Büroarbeit an jedem beliebigen Ort der Welt. Die technischen Möglichkeiten ermöglichen es uns zu arbeiten, wo und mit wem wir wollen. Einige Menschen arbeiten bereits unabhängig von Büros an Orten, die sie sich selbst aussuchen. Angestellte treffen sich an ihren Home-Office-Tagen virtuell via Skype-Telefonkonferenz. Freelancer verabreden sich dort, wo sie arbeiten wollen. Alles was sie brauchen, haben sie auf Notebook und im Internet. Sie sind nicht mehr auf ein festes Büro angewiesen. Die Mehrheit der Arbeitnehmer und Freiberufler aber fahren nach wie vor, unter Verschwendung von Ressourcen, jeden Tag Milliarden von Kilometern – nur um 8 Stunden zu arbeiten.

Jedoch: Die Epoche des Acht-Stunden-Büro-Tags gründete sich in einer Zeit, in der Sachbearbeiter auf Ordner, Archiv, Schreibmaschine und Kollegen im gleichen Gebäude angewiesen waren. Diese Mode aus dem 19ten Jahrhundert sollen Lesecafés, eine Art von Telezentrum des 21ten Jahrhunderts, beenden. Sie nutzen die Möglichkeiten und Werkzeuge des Web 2.0 um ein humaneres, resourcenschonenderes Arbeiten und Leben 2.0 zu ermöglichen. Sie unterstützen Unternehmen dabei, ihre Prozesse dahingehend Schritt für Schritt zu verbessern und ein Bewußtsein dafür zu entwickeln.

Bei den heftigen Diskussionen um Kindertagesstätten würde sich das Lesecafé-Modell als eine interessante Alternative anbieten, da hier auch Kinder betreut werden können. Eltern sind dort tagsüber, während sie arbeiten, für ihre Kinder erreichbar. Auch alleinerziehende Elternteile können somit beiden Anforderungen, denen der Arbeit und der Erziehung, gerecht werden.

Familie, Partner oder Freunde gewinnen durch die Arbeit in einem Lesecafé an Freiheit. Sie entscheiden selbst, wie oft, wie lange und mit wem sie den Tag im Lesecafé verbringen. Sie können sich dadurch stressfreier entwickeln und beugen schleichender Entfremdung vor. Gleichzeitig wirken sie so Depression, Burn-Out und Mobbing entgegen.

Lesecafés stellen keine Firmenvision in den Mittelpunkt des Arbeitens, sondern den Menschen und dessen Bedürfnisse. Um diesem Anspruch zu entsprechen werden Lesecafés in drei Hauptbereiche geteilt:

  1. Der Kommunikationsbereich ist ein sehr großer Raum, mit einem großräumigen Café oder mit einem Garten vergleichbar. Die Besucher sitzen, liegen oder stehen hier, um miteinander zu reden, zu lesen und zu arbeiten. Wahlweise, je nach Lust und Laune am Boden, auf Couchen oder an Schreibtischen.
  2. In Denkerräumen dagegen kann man die Tür schließen, um sich auf eine bestimmte Arbeit besonders konzentrieren zu können. Gerade dann, wenn man absolute Stille braucht. Auch die Denkerräume sind individuell eingerichtet und unterscheiden sich vom 08/15-Bürolook – ohne diesen krampfhaft zu vermeiden.
  3. Der dritte Bereich ist der Entspannungsbereich. In diesem Bereich werden wahlweise Massagen, Yoga, Tai-Chi, Qi-Gong, Meditation und ähnliches zur Erholung für alle Besucher abgeboten. Solche Leistungen sind inklusive und werden wöchtenlich oder öfter angeboten.

Lesecafés sind also eine Mischung aus Café, Büro, Kindergarten, Yogastudio, Fitnessstudio und Internetcafé. Der Aufenthalt wird im Kommunikationsbereich kostenlos und für die anderen Bereichen gegen Eintritt, Miete oder Mitgliedschaft gewährt.

Alle Lesecafés weltweit vernetzen sich untereinander und sind sowohl für Städte als auch für das Land geeignet, um negative Effekte der Globalisierung wie z. B. Landflucht usw. auszugleichen.

In einer Zeit in der Öl und damit Benzin immer teurer werden, in denen die Landbevölkerung täglich Millionen Liter Benzin verbraucht, um in die Metropolen zu gelangen, in einer solchen Zeit sind Lesecafés eine bedeutende Infrastrukturmaßnahme. Sie reduzieren den Bedarf an Öl, verringern damit den CO2-Ausstoss zu verringern und tragen so dazu bei, das Klima zu schützen.



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