Neue Arbeit – Neue Kultur und CoWorking

Veröffentlicht am 25. Juni 2009 von Florian Rustler in Kategorie: CoWorking Kultur, CoWorking News intern, Themenbeiträge | Trackback URL | Zur Diskussion

Neue Arbeit – Neue Kultur (New Work) ist eine von Frithjof Bergmann ins Leben gerufene Bewegung, die sich dafür einsetzt “Arbeit neu zu begreifen” und eine neue Wirtschaftsweise zu ermöglichen. Prof. Bergmann (“ich kann zu etwas nützlich sein, trotz meines Professortitels”) ist ein aus Deutschland stammender Philosoph, der seit vielen Jahren in den USA lehrt und lebt und jetzt unter anderem in Detroit und in Entwicklungsländern versucht (mehr dazu in einem Gespräch mit Günther Faltin im Labor für Entrepreneurship), sein Konzept der Neuen Arbeit Wirklichkeit werden zu lassen.

So geht es nicht weiter

In seinem gleichnamigen Buch “Neue Arbeit – Neue Kultur” vergleicht Bergmann unser momentanes Wirtschafts- und Jobsystem mit einem Zug ohne Bremsen, der einen Abhang hinunter rast, nur das viele Menschen dies noch nicht mitbekommen haben. Die Arbeitswelt wie sie sich jetzt darstellt sei in einem tiefgreifenden Wandel begriffen. Ähnlich wie die Verfechter eines bedingungslosen Grundeinkommens sieht Bergmann für das jetzige, hauptsächlich auf Erwerbsarbeit beruhende Wirtschaftssystem keine Zukunft: “Neue Arbeit geht von der allgegenwärtigen und weithin sichtbaren Tatsache aus, dass die traditionellen Formen in denen wir Arbeit bislang organisieren, in Auflösung befindlich sind. Klassische Erwerbstätigkeit (oder wie wir gerne sagen: “das Jobsystem”) wird also in der Arbeitswelt der Zukunft nur noch einen kleinen Teil einnehmen können. ”

Zwei Elemente: WWW und HTGP

Theorie und Praxis der Neuen Arbeit basieren auf zwei ineinandergreifenden Elemeten: Das eine ist das WWW, das “wirklich, wirklich wollen”. Hier führen die Menschen eine Tätigkeit aus, die sie begeistert und belebt und nicht wie viele Jobs wie eine “milde Krankheit” sind, die uns zwar nicht umbringt, aber uns mit der Zeit immer kraftloser werden lässt. Kann gut sein, dass man vom WWW nicht leben kann, deshalb gibt es neben der normalen Erwerbsarbeit, die nach Bergmanns Konzept lediglich noch ein Drittel der Zeit einnehmen soll, noch die sogenannte High Tech Gemeinschaftsproduktion (HTGP). Das Prinzip ist das der Subsistenzwirtschaft versetzt in die High Tech Welt. Mit Hilfe eines Personal Fabricator, eine Art 3D Drucker, sollen Gemeinschaften in die Lage versetzt werden, viele Dinge des täglichen Bedarfs, von Kleidung bis zu Kühlschränken selbst herstellen zu können.

Die Ziele der Neuen Arbeit Bewegung sind damit gesetzt: Es geht darum, selbstbestimmter und unabhängiger zu sein und die Kosten vieler zum Leben notwendiger Dinge zu reduzieren, in dem man diese selbst herstellt, denn im Moment würden “Produkte günstig produziert, aber teuer verkauft”.

Parallelen zu CoWorking

Das Gespräch bei Günter Faltin zeigt, dass sich Bergmann philosophisch nahe am CoWorking befindet.

Auch beim CoWorking geht es darum, kleine Gemeinschaften zu bilden, die als Ganzes mehr darstellen als die Summe ihrer Mitglieder. Auch beim CoWorking sollen Möglichkeiten geschaffen werden, Synergien zu erzeugen, gegenseitig Leistungen auszutauschen und eine räumliche und technische Infrastruktur bereit zu stellen, die man sich als Einzelner nicht leisten könnte, die aber durch die gemeinsame Nutzung mit anderen viele Möglichkeiten eröffnet.

Und auch für viele CoWorker ist der Grund Ihrer Selbstständigkeit nicht der, dass sie aus wirtschaftlichen Gründen dazu gezwungen werden, sondern der, etwas zu tun was sie wirklich, wirklich wollen (und davon leben zu können!).



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