Räumliche Unterstützung von Kreativität

Veröffentlicht am 5. Juni 2009 von Florian Rustler in Kategorie: Arbeitsplatz, Ausstattung, Bürogestaltung, CoWorking News intern, Themenbeiträge | Trackback URL | Zur Diskussion

Warum gibt es eigentlich das Konzept Co-Working? Warum tun sich Selbständige zusammen, um gemeinsam an einem öffentlichen Ort zu arbeiten, wo sie doch auch zuhause am Heimarbeitsplatz sitzen könnten?

Ein Grund ist sicher, weil Co-Working Plätze Interaktion und Kommunikation mit anderen ermöglicht und man als Selbständiger nicht immer nur allein am gleichen Ort sitzt. Aus den Gesprächen mit anderen ergeben sich neue Perspektiven und Möglichkeiten, es entsteht etwas Neues. Neues, das Nutzen bringt, das ist Kreativität. Diese ist nicht nur für Unternehmen absolut essentiell, sondern auch für den Freiberufler. Kreativität kann alleine statt finden, meist jedoch handelt es sich dabei um einen Prozess der sich zumindest teilweise zwischen mehreren Menschen abspielt.

Um Kreativität entstehen zu lassen braucht es mehr als ein MacBook und ein Moleskine, auch wenn diese Utensilien unterstützend wirken können.

Bisher von nur bei wenigen auf dem Radar ist die Rolle und die Konfiguration des Raumes und dessen Wirkung auf Kreativität. Sollte nicht gerade ein Co-Working-Zentrum mehr sein als eine nette Ansammlung von Tischen und einem kabellosen Internet Anschluss?

Bewusst geplant statt adhoc entstanden

Die wenigen wissenschaftlichen Studien zum Thema Raum und dem Zusammenhang zu Kreativität sagen alle, dass der Raum zwar nicht der allein entscheidende Faktor ist, dass dieser allerdings die Entstehung von Kreativität unterstützen und ermöglichen kann. Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Raumdesign und den strategischen Zielen von Organisationen. Eines dieser strategischen Ziele – und dies gilt sicherlich auch für Co-Working Plätze – kann neben der Förderung von Zusammenarbeit das Entstehen von Kreativität sein.

kreativitat-und-raum

Illustration adaptiert von Moultrie et al. 2007, Creativity and Innovation Management, 16 (1)

Die Autoren des Artikels Innovation Spaces in Creativity and Innovation Management (2007, 16(1)) empfehlen dabei die strategischen Ziele von vorn herein in die Raumplanung mit einfließen zu lassen und daraus Anforderungen vor allem an die Konfiguration und Ausstattung des Raumes abzuleiten. Wenn der Raum einmal steht, kann man immer wieder Anpassungen und Verbesserungen vornehmen.

Wie sehen Räume aus, die Kreativität fördern?

Auch dafür gibt es keine einzig richtige Antwort.

Kreativität ist ein Prozess der geprägt ist von Phasen der spielerischen Entwicklung von vielen Ideen und Möglichkeiten. D.h. es benötigt z.B. eine Menge Material und Möglichkeiten für Einzelne und Gruppen Ergebnisse zu visualisieren. Auf der anderen Seite stehen der Entwicklung von Ideen Phasen konzentrierter Auswahl und Recherche gegenüber. Mal spielt sich das in Gruppen ab, mal alleine. Um Kreativität zu ermöglichen scheint es also wichtig, dass es möglich ist, flexibel zwischen diesen Schritten zu wechseln. Dafür sollten die Räume ausgestattet sein und dies ermöglichen.

Manche Organisationen sind sogar weit gegangen, Prozessmodelle (wie z.B. das Creative Problem Solving Modell oder de Bonos 6 Hüte) der Kreativität räumlich abzubilden, in dem für jeden Schritt dieser Prozessmodelle ein eigener Raum gestaltet wurde, z.B. ein Strategieraum, ein Ideenraum und ein Umsetzungsraum. Dies ist ähnlich wie Firmen Räume gestalten, um Kunden Produkte nach einem bestimmten Prozess testen zu lassen.

Zum individuellen Konzept muss es passen

Wichtig ist, dass die Gestaltung der Räume zu den Zielen und zum Konzept einer Organisation passt. Dazu kann man sich von Bestehendem inspirieren lassen, sollte dieses aber nicht einfach übernehmen, ohne die Passung zu den eigenen Ziele geprüft zu haben. Auch wenn an einem Co-Working Platz in erster Linie einmal Menschen zusammen kommen, die für sich arbeiten, kann es trotzdem Ziel des gemeinsamen Ortes sein, Synergien und gemeinsame Projekte unter diesen Menschen zu schaffen und dies räumlich zu unterstützen.



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