Soll ich mein Home-Office gegen einen CoWorking-Space tauschen?

Veröffentlicht am 7. Juni 2009 von Alexander Greisle in Kategorie: CoWorking Kultur, Gesellschaftliches, New Work, New Life, Meinung | Trackback URL | Zur Diskussion

Circa 55 qm, ideal eingestellter Schreibtisch mit ergonomischem Stuhl und Multi-Monitor-Setup, eine kleine Besprechungesecke mit Whiteboard und Flipchart, eine Leseecke mit kleiner Bibliothek, Druckerecke mit Farblaser und A3-Drucker, eine Dartscheibe für das Abschalten zwischendurch. Ein genialer Blick über die Häuserdächer und Gärten zum nahen Wald. Nur ein paar Treppenstufen von der Dusche entfernt, ein paar mehr bis zur Terrasse mit Garten. Soll ich mein Home-Office wirklich für das Arbeiten in einem CoWorking-Space hergeben? Dazu kommt: Mehr Fahrtaufwand, zusätzliche Kosten, Bequemlichkeitseinbußen.

Zugegeben, leider hat nicht jeder ein solch komfortables Arbeitsumfeld zuhause. Trotzdem dürfte jeder ähnliche Gedanken haben, wenn er darüber nachdenkt, ob er sich einen Büroplatz anderswo beschafft. Meine Antwort bisher war immer ein kategorisches „Nein, mache ich nicht“.

Der Grund ist einfach: Business-, Gründer- und ähnliche Center bieten mir keinen Mehrwert. Die Erfahrung zeigt, dass ein Miteinander dort nicht stattfindet. Der Grund ist einfach: Das Geschäftsmodell ist darauf ausgelegt, Quadratmeter zu vermieten. Etwas Service dazu. Mal ausgestattet, mal nicht. Mal Kaffee inklusive, mal nicht. Das Ganze zu einem für Einzel- und Kleinunternehmer doch nennenswerten Preis, kombiniert der unflexiblen Nutzung: ich zahle, egal ob ich intensiv nutze oder nicht. Gleiches gilt für mich für Bürogemeinschaften.

Soll ich also jetzt mein Home-Office hergeben und dafür in einen CoWorking-Space ziehen? Ein klares Jein. Nein deswegen, weil es nicht um „das Aufgeben“ des Home-Office geht. Es geht um ein sowohl als auch – den Ort nutzen, der gerade passt. Meine Steuererklärung werde ich weiter im Home-Office machen, weil es eben so schön einsam ist. Eine Stimmung, die gut zur Steuererklärung passt, wie ich finde. Andere werden das anders sehen, die brauchen etwas Aufmunterung dabei und gehen dann ins CoWorking-Center. Man muß ja trotzdem nicht gleich alles offen rumliegen lassen…

Ein klares „ja, ich nutze neben meinem Home-Office auch einen CoWorking-Platz und zahle dafür“ weil es eben eine Menge Vorteile bringt.

Offensichtlich ist der Austausch mit anderen. Das gute Gefühl, mit der „Einsamkeit des Unternehmers“ (mehr dazu ein anderes Mal) nicht alleine zu sein. Ausstattung und Werkzeuge nutzen zu können, die mein Budget als einzelner übersteigen. Kooperationen und gemeinsame Aktivitäten anstoßen und vorantreiben. Einen gemeinsamen Plausch bei einem Kaffee zu halten, wie damals, als ich noch angestellt war. In einer netten, inspirierenden und offenen Umgebung zu arbeiten. Endlich mal keine Ausflüchte in ein Cafe am Ammersee, wenn ein Kunde oder Interessent frägt: „Und dann treffen wir uns dieses Mal bei Ihnen?“. Endlich kann ich meinen Garten guten Gewissens für die wirklich, wirklich guten Kunden und Partner vorhalten…



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4 Kommentare
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  1. Sie haben absolut recht: weg von der Immobilie – hin zum Innenleben. Schließlich sind es doch Menschen, die zusammen kommen. Und nicht nur Immobilien, die vermietet werden sollen – egal an wen. Der Anreiz schöner Räume verfliegt, wenn wir merken, dass kein wirkliches Miteinander stattfindet – sondern die Zweckmäßigkeit im Vorderdergrund steht. Von der klassischen kleinteiligen Vermietung hat vor allem der Vermieter etwas, in der klassischen Bürogemeinschaft scheiden sich auch irgendwann die Geister – sei es nur an der unterschiedlichen Auffassung von Schmutz.
    Und die alles entscheidende Frage: Was hält Menschen zusammen? Ist Gemeinschaft nicht ein Grundbedürfnis? Und was bedarf es wirklich, um gut arbeiten zu können – mal allein, mal gemeinsam?
    Und jetzt kommt der Werbeblock: Im Wiesbadener Salon setzen wir das Innenleben um. Hier gibts strukturierte Bürogemeinschaften und der unternehmerische Erfolg wird nicht dem Zufall überlassen. Das ist aufwendig und erfordert Einsatz. Aber es lohnt sich. Unser Motto: Soviel Individualität wie möglich, so viel Gemeinschaft wie nötig. Erst der Mensch und dann die Immobilie. Ende der Botschaft :-)

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  3. […] wird CoWorking durch Interaktion, Gespräche und Diskussionen. So entsteht Neues und der Mehrwert, der über den “trockenen, warmen Arbeitsplatz mit Internetanbindung” hinausgeht. Ein […]

  4. […] tiefergehende Frage ;-). Ganz zu Anfang der CoWorking News hatte ich die Frage, ob ich mein Home-Office gegen einen CoWorking-Space tauschen soll, aus meiner ganz persönlichen Sicht beantwortet. Quintessenz: Ein klares “ja, […]

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