Betriebswirtschaftliche Gedanken rund um profitable CoWorking Orte

Veröffentlicht am 29. Juli 2009 von Alexander Greisle in Kategorie: CoWorking Basics, Konzeptionelles, Meinung, Praxisberichte, Beispiele, Best-Practice, Themenbeiträge | Trackback URL | Zur Diskussion

Natürlich hat man als Münchner sehr schnell die Mietpreise im Fokus der Betrachtungen, wenn es um die Kosten eines CoWorking Ortes geht. Und tatsächlich: jedes Mal wenn ich mit Initiatoren aus anderen Städten darüber rede, bekomme ich Neidanfälle.

Dabei sind die Mietkosten zwar ein dicker Batzen, aber bei Weitem nicht alles. Um nur einige Kostenblöcke zu nennen:

  • Miete und Mietnebenkosten
  • Miete für Zusatzflächen wie Parkplätze oder Lager-/Archivräume
  • Instandhaltung, die nicht vom Vermieter übernommen wird
  • Personalkosten: Gehälter, Personalnebenkosten und Ausfallkosten für angestelltes Servicepersonal
  • Umbauten vor dem Bezug, um aus einem traditionellen Bürobau eine offene CoWorking-Fläche zu machen
  • Möbel, Ausstattung der Räume
  • Ausgaben für die Raumgestaltung, Designer, Innenarchitekten
  • Ausgaben für die IT-Infrastruktur
  • Betriebskosten wie Telefon- und Internetanbindung, Reinigung, Kaffeebohnen
  • Marketing, Vertrieb und die anderen üblichen Kosten, die im unternehmerischen Alltag anfallen

Soweit die Sollseite, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Was steht dem gegenüber auf der Habenseite?

Zunächst natürlich die Nutzungsgebühren und die Gebühren für erweiterte Services. Nicht zu vernachlässigen dürften zusätzliche Mieteinnahmen sein, etwa für Besprechungs- und Veranstaltungsräume. Denkt man weiter, kommt man auf Themen wie Kooperationen und Sponsoring oder Drittmittel. Natürlich sollte man auf den beiden Letzteren nicht seinen Business Case aufbauen, willkommene Erleichterungen sind es auf alle Fälle. Ganz sicher tut man als Betreiber gut daran, sich neben den Nutzungsgebühren weitere Einnahmequellen zu erschließen.

Ein dritter Aspekt darf nicht vernachlässigt werden:

Der zeitliche Horizont

Trockene betriebswirtschaftliche Planung hat auch im CoWorking immer etwas mit Zukunft zu tun:

  • Mietverträge werden in der Regel mittel- bis längerfristig angelegt, insbesondere wenn Umgestaltungen anstehen. Merkmal von CoWorking-Orten ist dagegen, dass sie den Platz ihren Nutzern mit kurzfristigen Bindungen anbieten. Ergo werden, ein bisschen wie bei der Finanzkrise, längerfristige Verträge mit solchen kürzerer Laufzeit gegenfinanziert.
  • Investitionen in Um- und Ausbauten, Möbel und Equipment müssen sich amortisieren.
  • Betreiber und Investoren möchten natürlich ebenfalls eine Rendite erzielen und damit nicht bis zum Sankt-Nimmerleinstag warten.
  • An-/Umbauten bzw. Ersatzbeschaffungen werden in der Zukunft kommen. Gut, wenn dafür rechtzeitig Rücklagen gebildet wurden.

Holla, da tut sich doch eine ordentliche Komplexität auf. Abschreckend? Meiner Meinung nach kein Grund, eine Zukunftsidee wie CoWorking nicht anzugehen.

Denn: Es geht.

Das zeigen Erfolgsmeldungen wie z.B. Souk aus Portland:

Last year the company broke even, with revenue from memberships ($275 a month, full-time), drop-in desk use ($35 a day), and meetings. While the economic downturn has pinched meeting revenue to the point that the company is likely ro slip back into the red for 2009, Duryea says she‘s seeing a slight rebound in meeting-space use. (Quelle: businessweek.com)

Und: Auch traditionelle Businesscenter schaffen es, profitabel zu sein. Warum sollte es also bei CoWorking mit einem durch die zeitflexible Nutzung in offenen Strukturen viel besser skalierendem Geschäftsmodell nicht mindestens genauso gut klappen?

Hilfreich wird es dabei sein, sich frühzeitig auf die Bedürfnisse der Klientel einzustellen und wirklichen Mehrwert zu bieten. Ob es auf Dauer reicht, wenn man als CoWorking-Ort nur einen warmen, trockenen Platz zum Arbeiten mit WLAN und leidlicher Kaffeeversorgung bietet?

Zwei interessante Artikel zum Weiterlesen sind „How Co-working Is Working in Portland“ auf businessweek.com und „Can Coworking Spaces Be Profitable?“ bei Web Worker Daily.



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