Keine cross-pollination – Interview mit Jana Lév ehemalige Nutzerin des Berliner betahaus

Veröffentlicht am 31. August 2009 von Florian Rustler in Kategorie: Artikelformate, Interviews | Trackback URL | Zur Diskussion

Sie haben einige Monate im Berliner betahaus gearbeitet. Hatten Sie überlegt, ob Sie in den Berliner hub oder das betahaus gehen, oder war es von vornherein eine klare Entscheidung?

Es war von vornherein klar, dass ich in das betahaus gehe. Ich habe darüber in der Wochenzeitung Die Zeit gelesen, mir anschließend die Räume und die Initiatoren angesehen und bereits vor Ort meine Entscheidung getroffen dort zu arbeiten. Grund für meine Entscheidung war, dass mir die Atmosphäre- viele unterschiedliche Menschen nutzen 1 Raum und respektieren die Arbeitsweisen der anderen und passen sich diesen auch an, sofern es notwendig ist- gefallen hat  und auch mich auch das Ambiente- ein offenes Stockwerk eines alten Fabrikgebäudes,  lichtdurchflutet und schlicht, aber praktisch gestaltet- angesprochen hat.

Warum sind Sie jetzt nicht mehr dort?

Ein Grund weshalb ich nicht mehr dort bin, ist zum einen, weil ich zu lange unterwegs war um ins betahaus zu kommen (45 Min einfache Fahrt). In dieser Zeit kann ich viel erledigen.
Ein zweiter Grund ist, dass ich mein Studium komplett selbst finanziere und ich das Geld in meinen Lebensunterhalt investieren wollte.
Außerdem wurden gewisse Erwartungen auch nicht erfüllt- Stichwort “cross-pollination”.

Was sind aus Ihrer Sicht Gründe sich in einem CoWorking Space einzumieten?

Mein Grund sich dort einzumieten war, dass ich mich nicht mehr von meiner gewohnten Umgebung (meine Wohnung) vom Arbeiten ablenken lassen wollte. Die Umgebung sollte dazu beitragen mich auf meine Arbeit zu konzentrieren.  Des Weiteren wollte ich mein Netzwerk erweitern und auf interessante Leute treffen und mich mit Ihnen austauschen.

Haben Sie die “cross-pollination” am eigenen Leibe erfahren? Haben sich während Ihrer Zeit Projekte mit anderen Nutzern ergeben?

Leider habe ich genau das nicht gefunden. Ich habe kaum Kontakte zu den anderen Co-Workern geknüpft. Möglicherweise war ich zu früh im betahaus (ganz zu Beginn) oder die Rotation war zu hoch.

Gab es etwas, das Sie gestört hat, das verbessert werden sollte?

Ich würde mir wünschen, dass der soziale Austausch besser stattfinden würde. Mehr als “hallo” hat man mit dem Tischnachbarn selten gewechselt. Keiner wusste von dem anderen was er macht, selten sogar wie er heißt.

Ein Grund für diesen zu passiven Austausch könnte vielleicht auch sein, dass man sich in sich selbst zurück gezogen hat um arbeiten zu können. Viele Menschen machen auch viel Lärm. Es gab Arbeitsgruppen im betahaus, bestehend aus 10 Mann. Die waren zu laut, um sich ohne Hilfsmittel auf seine Arbeit zu konzentrieren. Ich habe deshalb mit Kopfhörern gearbeitet und mich  somit auch optisch abgeschottet. Auf diese Weise wird man nicht angesprochen und auch ich habe andere deshalb auch nicht angesprochen.
Als ich eingezogen bin, gab es auch noch keinen sozialen Treffpunkt, in dem man sich hätte austauschen können.
Inzwischen gibt es ein Café und ich denke, die Mieter treffen sich dort um einander kennenzulernen und Netzwerke zu knüpfen.
Ich hätte mir auch gewünscht so etwas wie einen ruhigen Raum zu haben, in den alle gehen können, die Ruhe brauchen (z.B. mit Telefonverbot, ohne Musik, etc.).
Für meine persönlichen Zwecke wäre es gut, wenn eine kleine Werkstatt vor Ort wäre mit  Standardausrüstung (Bohrmaschine, Tischkreissäge, oder Werkzeuge für Modellbau).

Für einen Münchner erscheinen die Preise im betahaus ja sagenhaft niedrig. Wie schätzen Sie es ein: Wenn die Annahme stimmt, das CoWorking mehr bietet, als nur ein Dach über dem Kopf und einen WLAN-Anschluss, wären die Menschen bereit, mehr für diesen Mehrwert zu bezahlen?

“Mehr” ist in diesem Fall subjektiv. Es kommt immer drauf an, welche Zielgruppe man anspricht.
Wie ich bereits erwähnt hatte, bin ich auch aus finanziellen Gründen ausgestiegen. Ich hatte alle Dinge, die ich zum Arbeiten brauchte auch zuhause.
Hätte ich jedoch den Mehrwert eines neuen Netzwerkes und o.g. Möglichkeiten gehabt, wäre ich  mit den Preisen vollkommen einverstanden.

Wie würden Sie Ihrer Oma erklären, was ein CoWorking Space ist?

Liebe Oma, Co-Working ist ähnlich wie wenn du früher zum Brot backen gegangen bist: alle haben 1 Ofen genutzt um dort dasselbe zu tun und nebenbei haben sich noch neue Freundschaften und Kontakte ergeben, die du in deinem Alltag immer wieder nutzen konntest.

Jana Lév machte eine Ausbildung als Tischlergesellin, Studierte Innenarchitektur mit Auslandserfahrung in Italien und Österreich, und absolvierte eine design thinking Ausbildung (nutzerzentriertes Entwerfen) in Berlin an der D-school). Momentan arbeitet sie an ihrem Diplom: BewusstseinsRäume des innovativen Entwerfen.
In Zukunft will sie sich auf Entwurfskonzepte und ihre Arbeit als Kreativcoach konzentrieren. Während ihres Studiums war sie einige Monate Nutzerin des Berliner bethaus.



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